Mit „Hommage an Yerevan – Eine Liebeserklärung“ lädt das Kesselhaus zu einer besonderen musikalischen Reise in die armenische Hauptstadt ein. Das Konzert ist eine poetische Annäherung an Yerevan – eine Stadt voller Geschichte, Melancholie, Humor und musikalischer Tiefe, die vielen auch durch die legendären „Radio-Erevan-Witze“ ein Begriff ist.
Gegründet im Jahr 782 v. Chr. von König Argishti I. als urartäische Festungsstadt Erebuni, zählt Jerewan zu den ältesten dauerhaft bewohnten Städten der Welt. Diese historische Tatsache ist – ganz ohne Radio-Erevan-Ironie – durch erhaltene Keilschriftaufzeichnungen belegt. Wer tiefer eintauchen möchte, sollte Armenien besuchen; wer einen Vorgeschmack sucht, ist an diesem Abend im Kesselhaus genau richtig.
Im Mittelpunkt steht die Musik bedeutender armenischer Komponisten wie Aram Chatschaturjan, Arno Babadschanjan, Konstantin Orbeljan u. a. Ihre lyrischen und melodischen Werke, neu interpretiert im Jazzgewand, spiegeln die Seele Yerevans wider. Charakteristisch für den armenischen Jazz ist die Verbindung von orientalischer Rhythmik, tief empfundener Lyrik und markanter Melodik.
Der international renommierte Jazzpianist Vahagn Hayrapetyan, eine feste Größe der armenischen Jazzszene, präsentiert diese Musik gemeinsam mit seinem Trio und dem charismatischen Sänger und Entertainer Hayk Petrosyan. Hayrapetyan, der u. a. bei den Bebop-Legenden Barry Harris und Frank Hewitt studierte und auf großen Festivals wie in New Orleans und Montreal auftrat, war bereits 2022 mit seinem Trio im Kesselhaus zu Gast. Nun kehrt er mit einer musikalischen Liebeserklärung an seine Heimatstadt zurück.
Vahagn Hayrapetyan – Piano | Komposition | Leitung
Vahagn Hayrapetyan absolvierte die Tschaikowsky-Musikschule sowie das Staatliche Konservatorium Jerewan als Pianist und Komponist. Prägend waren seine Studien in New York bei Jazzgrößen wie Barry Harris und Frank Hewitt. Er arbeitete mit Musiklegenden wie Elvin Jones, Jimmy Lovelace, Chico Freeman und Lenny White.
Hayrapetyan veröffentlichte mehrere Alben in New Orleans, darunter Love for Sale, Trip to New Orleans und Bop It Up, und trat auf internationalen Festivals wie dem Montreal Jazz Festival und dem New Orleans Jazz & Heritage Festival auf. Seit 1998 ist er Pianist der berühmten Armenian Navy Band, gründete 2004 seine eigene Formation Katuner und veröffentlichte 2010 sein Soloalbum Singin’ and Swingin’.
Neben seiner Konzerttätigkeit wirkte er als Jazzdozent im Nahen Osten und ist Komponist zahlreicher Filmmusiken. Für den Soundtrack zu If Only Everyone erhielt er eine Auszeichnung beim Beijing International Movie Festival. Vahagn Hayrapetyan ist Verdienter Künstler der Republik Armenien.
Hayk Petrosyan – Gesang | Entertainer
Hayk Petrosyan ist Sänger, Schauspieler und Moderator und zählt zu den markantesten Stimmen der zeitgenössischen armenischen Musikszene. Nach seinem Militärdienst begann er seine professionelle Musikkarriere und machte sich insbesondere mit Konzerten zu Ehren von Charles Aznavour international einen Namen.
Seit 2015 tritt er mit erfolgreichen Programmen wie For You, Aznavour, Merci, Charles (Welttournee) und dem Projekt „Jazznavour“ auf, das klassische Chansons in jazzigen Arrangements neu interpretiert. Seine Konzerte führten ihn u. a. nach Paris, Los Angeles, Beirut, Brüssel, Sydney und durch ganz Armenien.
Parallel arbeitet Petrosyan an seinem langfristigen Komitas-Forschungsprojekt, mit dem er das musikalische Erbe Armeniens neu beleuchtet. Seine Bühnenpräsenz verbindet musikalische Virtuosität mit Charme, Humor und emotionaler Tiefe.
Dave Geodakyan – Kontrabass | Komposition
Dave Geodakyan ist Komponist, Arrangeur, Dirigent und einer der vielseitigsten Jazzbassisten Armeniens. Nach einem Studium der angewandten Mathematik wandte er sich vollständig der Musik zu und schloss sein Kompositionsstudium am Staatlichen Konservatorium Jerewan mit Auszeichnung ab.
Er ist Bassist des Armenian Public TV & Radio Symphony-Jazz Orchestra, Gründer mehrerer Big-Band-Formationen und lehrt seit 2019 Jazztheorie, Improvisation und Ensembleleitung am Konservatorium. Mit seinem Dave Geodakyan Sextet veröffentlichte er 2021 das Album On the Run, 2025 folgt Expectations.
Sein kompositorisches Werk umfasst symphonische, kammermusikalische und jazzbezogene Arbeiten. Zahlreiche Auszeichnungen würdigen sein Engagement als Musiker, Pädagoge und Dirigent.
Rose Eisen – Kuratorin | Foto- und Videokunst
Die aus Armenien stammende Foto- und Videokünstlerin Rose Eisen lebt seit 1992 in Berlin. In Jerewan war sie als Kultur- und Musikredakteurin im öffentlichen Rundfunk tätig, was ihr bis heute ein feines Gespür für Klang, Rhythmus und Bildkomposition verleiht.
In Berlin arbeitete sie u. a. für die renommierte Galerie Bremer und koordinierte jüngst den internationalen Dokumentarfilm „DUDUK“ über das armenische Nationalinstrument. Ihre fotografischen Arbeiten sind geprägt von farbintensiven Arrangements in der Tradition holländischer Stillleben, kombiniert mit Collage-Techniken, die an Hannah Höch erinnern – jedoch in zeitgenössischer, dreidimensionaler Form.
Museum für zeitgenössische Kunst in Jerewan aus. Mit „Hommage an Jerewan“ verbindet sie Musik, Geschichte und visuelle Erinnerung zu einem interdisziplinären Gesamtkunstwerk.