Keimzeit behauptet bis heute eine stille Sonderstellung im deutschen Musikgeschäft. Unbeeindruckt von modischen Strömungen und getragen von einer Anhängerschaft, die Verlässlichkeit höher schätzt als den schnellen Effekt, wirkt die Band wie ein bewusst gepflegter Anachronismus von eigenem kulturellem Gewicht. Ihre Präsenz speist sich weniger aus Lautstärke als aus einer bemerkenswerten Kontinuität, die in der gegenwärtigen Poplandschaft fast schon als Gegenentwurf gelten darf.
Mit dem nunmehr 14. Album „Ach, die Menschen“ setzt Keimzeit diesen höchst individuellen Kurs fort. Die Stücke überzeugen durch eine unaufgeregte musikalische Souveränität und jene charakteristischen, bisweilen kunstvoll verschränkten Texte, die Norbert Leisegang seit Jahrzehnten auszeichnen.
Es lohnt sich immer genau hinzuhören: Die feinen Beobachtungen, die beiläufigen Pointen, die kleinen gedanklichen Volten entfalten ihre Wirkung oft erst beim zweiten Hinhören.
Das Album „Ach, die Menschen“ ist vor diesem Hintergrund ein Keimzeit-Album at its best.
Am 16. und 17. Dezember 2026 steht die Band um Norbert Leisegang in Berlin
auf der Bühne des Kesselhaus der Kulturbrauerei.