November 2016


Russian Circles
Support: Helen Money

So
06

20:00
Kesselhaus
Konzert

2004 schließen sich Mike Sullivan (Gitarre), Dave Turncrantz (Drums) und Colin DeKuiper (Bass) in Chicago zu einem wagemutigen Trio zusammen, um in den Territorien der progressiven experimentellen Rockmusik zu wildern. Nach einer selbstbetitelten EP, die jene drei Herren mit Lizenz zum Headbangen 2005 in rasch vergriffener Auflage über den DIY-Weg veröffentlichen, überzeugen sie mit dem folgenden Longplayer einen erweiterten Kreis von Fans und Kritikern mit ihrer eigenständigen und atemberaubend dynamischen wie präzisen Spielart von tieftönendem Heavy-Rock.

Auf der Basis von verhältnismäßig linearen, aufgeräumten Strukturen lassen Russian Circles ihre epischen Songs zu derart gewaltigen Riffmonstern anschwellen, dass einem beim Hören glatt die Pferde durchgehen. Mit abgezocktem Gespür für Timing und Tempo schöpfen sie die Bandbreite jedes Instruments voll aus und erzeugen mit scheinbar simplen Mitteln wirkungsvolle Steigerungen und Kontraste. Beeindruckend, wie ein stoischer Drumbeat - aufgeführt mit John Bonham Gedächtnis-Punch - den gesamten Klangraum ausfüllen kann, lange bevor dieser mit voluminös schiebendem Bass und sich auftürmenden Gitarren in einem Höllenritt gesprengt wird. Entlang von Loops und Breaks wird hier addiert und subtrahiert, aufgeschichtet und ausgebremst, dass es nur so kracht: Das physikalische Prinzip von Ursache und Wirkung findet seine kongeniale musikalische Entsprechung.

Dass Russian Circles auch live auf der Bühne für ordentlich Wirbel sorgen, konnte dieses infernalische Trio auf Tourneen mit Dälek, Red Sparowes, Minus the Bear und Mono bereits hinlänglich unter Beweis stellen. 2007 wurden sie mit der wohl ultimativen Einladung belohnt, bei der sich jeder gestandene Musiker freudigst die Hosen vollmacht. Ob sie schließlich mit eingesauten Beinkleidern in England aufspielten, ist nicht überliefert. Dass sie das Vorprogramm für TOOL mit Bravour meisterten, dagegen schon.

Fast müßig zu erwähnen, dass man Gesang hier hier keine Sekunde vermisst, vielmehr wäre eine Stimme inmitten dieser musikalischen Stromschnellen hoffnungslos verloren. Das variable Gitarrenspiel Mike Sullivans bietet Angriffsfläche genug, um Melodien en masse zu erhaschen.

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