Fr 05
November 2004
22:00
Kesselhaus
JAZZFEST BERLIN mehr Infos unter: http://www.jazzfest-berlin.de Boi Akih Gibt es einen von den Zentren der modernen Zivilisation weiter entfernten Ort als den „wo der Pfeffer wächst“, wohin wir bis heute im Geiste unsere Widersacher verbannen? Auf eben jenen Gewürzinseln oder besser auf den Molukken hat die Sängerin Monica Akihary ihre Wurzeln. Zur nicht gerade unbedeutenden molukkischen Minderheit Hollands gehörend, singt sie in der Sprache der Insel Haruku, die nur noch von wenigen tausend Menschen gesprochen wird. Sie will die uralte Tradition des Eilands jedoch weniger bewahren als weiterspinnen. Gemeinsam mit ihrem Partner und Gitarristen Niels Brouwer studierte sie südindische Musik, die das Klangbild des aktuellen Boi Akih-Albums Uwa I stark prägt. Der indische Tabla-Virtuose und Shankar-Schüler Sandip Bhattacharya und Cellist Ernst Reijseger vervollständigen Boi Akih zu einem Quartett, dessen globale Ausgewogenheit, spielerische Spannung und paradiesische Buntheit für die Weltoffenheit des aktuellen niederländischen Jazz stehen. Dennis Rollins’ Badbone & Co Der 1964, im ersten Jahr der Berliner Jazztage, in Birmingham geborene Posaunist Dennis Rollins eröffnet den englischen Schwerpunkt des diesjährigen Jazzfests. Als Sohn jamaikanischer Einwanderer verband er den Geist des Reggae mit der Kraft des Jazz und brachte so die idealen Voraussetzungen mit, um in den Achtzigern mit den Jazz Warriors schwarze Jazz-Geschichte in England zu schreiben. Von der Presse oft mit den Amerikanern Fred Wesley und Julian Priester verglichen, stellte er sein Horn in den Dienst von Pop-Bands wie The Brand New Heavies, Jamiroquai und Blur, tourte aber auch mit Courtney Pine und US3. Mit seinem kraftvollen, Groove orientierten Ton vermittelt er selbstbewusst zwischen Swing und Funk. Seine Vokal-Einlagen erinnern sogar zuweilen an Johnny Guitar Watson. Wenn Rollins mit seiner Band Badbone & Co die Bühne betritt, läuft er zu einer Form auf, deren Durchschlagkraft an die größten Momente des Funk Jazz erinnert.
JAZZFEST BERLIN
Sa 06
November 2004
00:00
Palais
JAZZFEST BERLIN mehr Infos unter: http://www.jazzfest-berlin.de Yakou Tribe „Nachtlicht“ernde Gestalten treiben sich in Berlin herum! Ein anglophiler Japaner muß sie gehört und ihnen anschließend aufgelauert haben. Deshalb heißt es Yakou Tribe, das Berliner Quartett, Erstes unter Gleichen, ein Markenartikel schon nach dem zweiten Album, nach Road Works, jetzt Red And Blue Days. Merkwürdig, dass es immer die Tonträger sind, die Zeugnis ablegen sollen. Dabei geht es hier um live gespielten, urbanen Jazz. Berlin ist ihr Thema: „…hier müssen wir uns auf keinen bestimmten Sound festlegen, schillernde Vielfalt und wache Offenheit bieten Raum für Kreativität. Zwischen Swing und Avantgarde, Country und Rock fühlt man sich niemals eingeengt und findet immer wieder neue Ausdrucksmöglichkeiten“, findet Jan von Klewitz (Jg 64, Alt). Und Stromgitarrist Kai Brückner bewegt sich im Spannungsfeld „urbanerer Passagen“, ein kaum kaschierter Euphemismus für: „Hier laߒ ich die Sau raus“ und „balladesker Stücke“, die eher nach Yakouhaku klingen, Nachtlichtweiß, eine wunderschöne Pfingstrose. Armenian Navy Band Arto Tuncboyaciyans Musik ist durchflutet von den Klängen aus der armenischen und anatolischen Tradition, die mit Elementen verschiedenster musikalischer Richtungen verschmolzen werden. Geboren in der Nähe von Istanbul emigrierte er Anfang der Achtziger in die USA um bei den Ethno-Jazz-Pionieren Oregon, Paul Winters Earth Band, Al DiMeolas World Sinfonia, Night Ark sowie Joe Zawinul verschiedene Kombinationen von Folklore und Jazz zu erproben. Im neuen Jahrtausend kehrte er zu seinen Wurzeln nach Eriwan zurück, wo er inzwischen seinen eigenen Club eröffnet hat. Dort realisiert er mit der Armenian Navy Band auch sein eigenes Modell von „Avantgarde Folk“. Das Navy-Logo steht dabei keineswegs für Seemannslieder – Armenien hat keinen direkten Zugang zum Meer – sondern für genau jenen Aspekt des unter Beibehaltung der eigenen Tradition in die Ferne Schweifens. Tuncboyaciyan liebt es, dick und farbenprächtig aufzutragen, in märchenhaften Kategorien zu träumen, um darin einer nie endenden Hoffnung für eine friedfertige Zukunft Ausdruck zu geben.
JAZZFEST BERLIN
So 07
November 2004
00:00
Kesselhaus
JAZZFEST BERLIN mehr Infos unter: http://www.jazzfest-berlin.de Acoustic Ladyland Anders als sein Name vermuten lässt, betont das Londoner Quartett Acoustic Ladyland, dass es keine Hendrix-Cover-Band ist. 2001 gegründet, erfreute sich die Band binnen kürzester Zeit erstaunlicher Beliebtheit in britischen Jazz-Kreisen. Mit ganzwöchigen Auftritten wurden sie quasi zur Hausband des Londoner Jazzclubs Ronnie Scott’s. Das Magazin Dazed & Confused rief sie gar zur UK-Antwort auf Medeski Martin & Wood aus. Saxofonist Pete Wareham wird eine Eindringlichkeit bescheinigt, die an John Coltrane erinnert. Bassist Tom Herbert machte sich bereits mit den Tomorrow’s Warriors einen Namen. Pianist Tom Cawley und Drummer Seb Rochford komplettieren das rein akustisch agierende Quartett, dessen Verbindung mit Jimi Hendrix eher spirituell ist. Transformierte Hendrix einst das Tenorsaxofon auf die Gitarre, führt Wareham sein Timbre wieder aufs Horn zurück. Mit feinem Humor beziehen sich die vier hier offen, dort unterschwellig auf Hendrix' Titel, Riffs, Dramaturgien und vor allem Song-Intros. Billy Jenkins / Fun Horns ‘Jazz gives me the Blues’ Der Londoner Gitarren-Eulenspiegel Billy Jenkins neigt nicht eben dazu, sein Publikum intellektuell zu überfordern. Mit seinem Voice Of God Collective, einer derben Monty Python-Variante des neuen Jazz, tanzte, tobte und taumelte er in den Neunzigern wie ein Derwisch durch die Musikgeschichte. Seit 2000 versucht der passionierte Querkopf, der am liebsten in seinem Reliant Robin Dreirad die Vororte von London unsicher macht, die Ursprünge des Blues vom Mississippi-Delta in die Pubs der englischen Working Class zu verlegen. Eine langjährige Freundschaft verbindet ihn mit dem Berliner Bläserquartett Fun Horns. Gemeinsam schwelgen sie in Ragtime, Ska, Rock’n’Roll, freier Improvisation, somnambulen Bossa-Träumereien, Country-Klängen und simplem Mainstream. Jähe Brüche, wilde Ostinati und spontane Spiel- und Erfindungsfreude machen diese Show zum zirzensischen Spektakel. Verwirrend, charmant, witzig, frech und virtuos blasen Jenkins und die Fun Horns zur musikalischen Treibjagd.
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